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Thursday, 9. September 2010
 
 
Baden: CTU-Arbeiter protesieren Drucken E-Mail
Thursday, 28. January 2010
Protest der CTU-Arbeiter gegen die AXPO am 28. 1. 2010:

Die Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben, aber auch die

Entschlossenheit, für ihre Arbeit zu kämpfen. Es ist für die meisten der 40

Beschäftigten der Conzepte Technik Umwelt (CTU) AG in Winterthur vermutlich

das erste Mal, dass sie auf die Strasse gehen, um gegen Ungerechtigkeit zu

protestieren. Seit zwei Monaten haben sie ihre Löhne nicht mehr erhalten,

weil ihre Firma in einem finanziellen Engpass steckt. Eine Lösung ist in

greifbarer Nähe. Doch der neue Investor macht sein Engagement von der

Übertragung der Lizenz von AXPO/Kompogas abhängig.


Die CTU erstellt weltweit Anlagen zur Energiegewinnung aus Biomasse und für

die Reinigung von Rauchgasen. Im Zusammenhang mit dem Bau von Biogasanlagen

hat AXPO der CTU im Jahre 2004 die Lizenz der KOMPOGAS-Technologie

übertragen, die bis 2019 an das Unternehmen gebunden ist. Doch der

Stromkonzern, der den Kantonen der Nordostschweiz gehört, hat sich bisher

kategorisch geweigert, einer solchen Übertragung zuzustimmen. Für ihn wäre

das definitive Ende der CTU eine Art „Marktbereinigung“ - für die 40

Beschäftigten hingegen eine unmittelbare Bedrohung ihrer wirtschaftlichen

Existenz.


„Aufruf zur Protestaktion!“ steht als Überschrift in ihrem Flugblatt, das

die 40 MitarbeiterInnen der CTU verfasst haben. Sie haben einen Reisebus

gemietet, fahren an diesem Donnerstag, 28. Januar 2010 gemeinsam nach Baden

und tragen ihren Protest an den Sitz der AXPO Holding AG. Auf einem ihrer

selbstgefertigten Spruchbänder steht: „AXPO – Raubritter auf Staatskosten“,

was den Stromkonzern mächtig stört. Ein Mitglied der AXPO Geschäftsleitung

stellt sich den Protestierenden und zeigt sich gesprächsbereit.

Unversöhnlich stehen sich die Interessen gegenüber: „Es ist nicht unsere

Schuld, dass eure Firma in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Ich bin

meinen Kapitalgebern verantwortlich und will euch keine falschen Hoffnungen

machen“, betont der Manager. „Sie müssen uns helfen, sonst stehen wir am

nächsten Montag auf der Strasse“, entgegnen ihm die andern, die nur ihre

Arbeit haben, um wirtschaftlich zu überleben, und die darauf angewiesen

sind, einen Kapitalbesitzer zu finden, der ihre Arbeitskraft kauft. Die

Aussicht, in wenigen Tagen schon ins Heer der Erwerbslosen eingereiht und

von staatlichen Almosen abhängig zu werden, treibt sie an, gemeinsam für

ihre Interessen zu kämpfen. Am Schluss der Verhandlung erreichen sie

immerhin, dass zwischen AXPO und dem Investor, der ihren Betrieb kaufen

möchte, ein Gesprächstermin bereits für den nächsten Tag in Aussicht

gestellt wird. Der Ausgang dieser Verhandlungen ist offen. Er wird aber auch

davon abhängigen, wie weit es den 40 MitarbeiterInnen der CTU gelingt,

weiterhin ihre kämpferische Entschlossenheit unter Beweis zu stellen.


Die Szene vor dem Hauptsitz der AXPO Holding in Baden könnte sich in

ähnlicher Weise an unzähligen Orten abspielen. Das Beispiel der CTU

Belegschaft zeigt – ebenso wie insbesondere das Beispiel der Officine von

Bellinzona und der INNSE in Mailand: Der Wille des „Marktes“ (genauer: der

Kapitalbesitzer), einen Betrieb zu schliessen, ist nicht in Stein

gemeisselt. Es kommt auch darauf an, was die betroffenen Belegschaften dazu

meinen. Setzen sie sich gemeinsam und entschlossen zur Wehr, kann der

Schliessungsentscheid rückgängig gemacht oder ein neuer Besitzer gefunden

werden. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit beginnt im Betrieb!


 

 

 

Letzte Aktualisierung ( Sunday, 31. January 2010 )
 
 
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