Aufbau 95

95 1Neu erhältlich: Aufbau nr. 95

Ausgewählte Artikel:

«Was uns vom Feind unterscheidet sind unsere Werte» In Rojava befreit sich die Bevölkerung und baut eine Gesellschaft von unten auf. Dabei spielen Ideologie und Werte gerade für die Verteidigung der Revolution eine zentrale Rolle. Was macht diese revolutionäre Perspektive aus? Ein Erfahrungsbericht.

Der grüne Anstrich von WEF & Co.: Alljährlich beleuchtet das World Economic Forum Baustellen des kapitalistischen Systems. Entsprechend ist ihr Blick auch auf die Umwelt gerichtet. Bei genauer Betrachtung entpuppen sich ihre Ansätze als altbekannt. 

«Sorry to bother you, I'm Cassius Green.... »: Wir kennen Boots Riley als Community-Organizer und Musiker. Nun ist er Filmemacher geworden. Der Film besticht mit überdrehtem Humor, schrägen Science-Fiction Elementen, harter Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft und insbesondere mit Hoffnung auf einen gemeinsamen Kampf dagegen. Wir entschuldigen die Störung gerne.

Zwischen Millionenkampagne und der Wut im Bauch: Tausende Bauarbeiter blockieren die Zürcher Bahnhofsbrücke und zeigen schweizweit grosse Entschlossenheit. Als kämpferischster Teil der ArbeiterInnenklasse stellen die Bauarbeiter gegenwärtig ein vielbeachtetes Segment dar – auch von der politischen Gegenseite.

Faschisten in Brasilien: Im zweiten Wahlgang gewann der Faschist Bolsonaro der PSL in Brasilien die Präsidentschaftswahlen. Er erhielt 55.1% der Stimmen, Hadad von der PT 44.9%. Im Verlauf des Wahlkampfes versprach Bolsonaro eine «Säuberung, wie sie in Brasiliens Geschichte noch nie vorgekommen ist» - diese Drohung richtet sich gegen alle fortschrittlichen Kräfte und politische GegnerInnen.

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Aktion gegen das brasilianische Konsulat in Zürich

Quelle: https://barrikade.info/Aktion-gegen-das-brasilianische-Konsulat-in-Zurich-1820

Wir haben in der Nacht vom 23.01.2019 auf den 24.01.2019 das brasilianische Konsulat an der Stampfenbachstrasse in Zürich angegriffen. Das alljährliche Treffen der Bourgeoisie und ihrer politischen VertreterInnen in Davos bietet ihnen die ideale Gelegenheit für Absprachen und Deals in den Hinterzimmern der Luxushotels. Klar zeigte sich dies an den Interessen die der Bundesrat Maurer gegenüber Bolsonaro vertritt. Die ökonomischen Interessen kommen vor allen andern. Daran ändert wenig, dass hochkarätige Delegationen aus den USA, Frankreich oder Grossbritannien ihre Präsenz am Anlass aufgrund von massiven Widersprüchen und Konflikten im jeweils eigenen Land absagen mussten.

Grundsätzlich werden dort oben alle PolitikerInnen hofiert, die einen Standort vertreten, der Profit für die imperialistischen Konzerne verspricht. Eines der augenfälligsten Beispiele ist in diesem Jahr die Einladung des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro. Einerseits erzreaktionär und mit einem klaren Plan, die Reaktion in ganz Brasilien durchzusetzen. Andererseits eben Liebling der Märkte, gelobt durch Deutsche Bank oder The Economist. Bolsonaro hat keine Zeit verstreichen lassen, um seine im Wahlkampf angekündigten Versprechen umzusetzen. Er hofiert die Rüstungs- und Agrarlobby, erklärt der gesamten Linken den Krieg, nimmt indigene Bewegungen ins Visier, greift die LGBT-Bewegung an, schafft Genossen wie Cesare Battisti aus... Die Liste lässt sich fortsetzen, sie erklärt weshalb in diesem Jahr die staatliche Vertretung dieses Lands zu unserem Ziel wurde.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Delegation aus der Türkei, die durch Aussenminister Cavusoglu angeführt wird. Auch hier kümmert es Schwab und Konsorten wenig, dass der türkische Staat einen Vernichtungskrieg gegen die Befreiungsbewegung in der Türkei und Kurdistan führt und diesen bis nach Syrien ausgeweitet hat. Für den Profit und die geopolitischen Interessen wird vieles akzeptiert, schliesslich ist das Land ein grosser Abehmer von Rüstungsindustrie und anderen techologischen Produkten sowie Mitglied der NATO.

Letztlich sind Bolsonaro oder Erdogan nur zwei Beispiele von vielen, die sich die Unterstützung der nationalen Bourgeoisie auf die Fahnen geschrieben hat. Die Regierungen in den USA oder Italien versuchen genauso, die jeweils nationalen Bourgeoisien gegenüber den imperialistischen Konzernen zu stärken. Der Nationalismus, den diese VertreterInnen der ökonomisch Mächtigen predigen, wird mit allerlei Geschwätz über den Schutz der ArbeiterInnen im eigenen Land geschmückt und so im Interesse aller verkauft. Dieses Seilziehen zwischen nationaler und internationaler Bourgeoisie wird gar vom WEF offensiv thematisiert, da das Forum sich als Inbegriff der globalisierten Ökonomie dazu gezwungen sieht, auf diese Entwicklung zu reagieren.

Dass das Treffen unter dem Titel "Eine globale Architektur in Anbetracht der 4. industriellen Revolution schaffen" stattfindet, zeigt diesen Widerspruch deutlich. Keine imperialistische Macht kann letztlich eine Abschottung der Ökonomie einzelner Länder oder Regionen gutheissen, entsprechend die Betonung des Potentials eines globalen Ansatzes. Das ist auf eine Art nichts neues in den Bergen, doch ist die Welt zugleich an keinem Tag dieselbe und die Bonzen und ihre HelferInnen müssen auf diese Veränderungen reagieren. Da bietet das WEF eine Möglichkeit, sich in Ruhe und mit wenig Druck über die anstehenden Probleme der kapitalistsischen Produktionsweise auszutauschen. Sie können dort nach Lösungsansätzen suchen, ohne gleich eine Erklärung wie die G20, G8, WTO oder die Klimakonferenz raushauen zu müssen. Darin liegt die hauptsächliche Bedeutung dieses Treffens.

Wie prekär die aktuelle Lage der Herrschenden allerdings tatsächlich ist, zeigt sich an den Absagen prominenter Gäste wenige Tage vor Beginn des Forums. Trump kann nicht, weil der US-Staat sich im shutdown befindet und tausende Angestellte seit Wochen unbezahlt bleiben. Macron kann nicht, weil die Gelbwesten mächtig Dampf machen und ihm und seiner Politik den Kampf angesagt haben. May kann nicht, weil die Brexitverhandlungen ohne Ergebnis sind, während das ursprünglich für den Austritt Grossbritanniens aus der EU vorgesehene Datum immer näher rückt. Ja, sie können in Davos ihre 4. industrielle Revolution anbeten oder bejubeln, aber nein, diese wird die Widersprüche weltweit nicht überwinden, sondern höchstens verschärfen. Umso ermutigender, dass es dort, wo es knallt, linke Akteure gibt, die nicht zurückweichen, sondern die Gelegenheit beim Schopf packen, um das System frontal anzugreifen und darin eine revolutionäre Perspektive zu entwickeln.

Für eine revolutionäre Perspektive!

Grusswort aus Rojava zur Smash WEF-Kampagne

Smash WEF – Defend Rojava!

Für uns als Internationalistische Kommune in Rojava ist es eine Ehre und Freude zugleich hiermit die diesjährigen Proteste gegen das World Economic Forum begrüßen zu dürfen! Aus den befreiten Gebieten der Demokratischen Föderation Nordostsyrien entsenden wir euch die wärmsten Kampfesgrüsse und hoffen auf entschlossene und erfolgreiche Aktionen!

#RiseUp4Rojava - Globale Aktionstage am 27. und 28.1.19.

#RiseUp4Rojava – Verteidigen wir gemeinsam die Revolution

Aufruf zu globalen Aktionstagen am 27.1 und 28. Januar 2019

Am 27. Januar, vor genau vier Jahren, wurde die Stadt Kobane im Norden Syriens, nach monatelangen erbitterten Gefechten von den mutigen KämpferInnen der YPJ und YPG aus den Händen der Mörderbanden des sog. Islamischen Staates befreit. Damals strömten wir millionenfach, Tag für Tag, Woche um Woche auf die Straßen um unsere Solidarität mit dem Widerstand kundzutun und die Welt zum Handeln zu bewegen. Die pausenlosen und kraftvollen Aktionen außerhalb des Mittleren Ostens gaben den kämpfenden GenossInnen Mut und Moral und zwangen auch die Staaten zum handeln. Die Wochen des Widerstands wurden zum Symbol des Willens, der Kraft und der Hoffnung, welche von der jungen Revolution in Rojava in die Welt gesandt wurde. Ihre Ideen von direkter Demokratie, einer ökologischen und kollektiven Ökonomie und der Befreiung der Frau, sind mit dem historischen Widerstand von Kobane auf der ganzen Welt bekannt geworden. Kobane wurde zum Symbol internationaler Solidarität und des gemeinsamen Kampfes – unserer Solidarität über Grenzen und ideologische Unterschiede hinweg, als DemokratInnen, SozialistInnen, FeministInnen und UmweltaktivistInnen. Es vereinten sich die vielen emanzipatorischen Kräfte zu einer Stimme zur Verteidigung Kobanes. Und somit ist die Revolution in Rojava zu einem untrennbaren Teil der Geschichte dieser Kräfte auf der ganzen Welt geworden.

Vier Jahre sind wir nun gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen, haben Erfolge und Niederlagen, Trauer, Leid, Wut, Schmerz und Freude geteilt. Wir haben erlebt wie die Dunkelheit der IS-Barbarei in Minbic und Rakka durchbrochen wurde und sind Zeugen des Aufbaus einer völlig neuen Gesellschaftsordnung geworden. Heute nach vielen Jahren harten Kampfes, ist die Demokratische Föderation Nordostsyrien ausgerufen, ein Drittel Syriens befreit und der Islamische Staat am Rande seiner vollständigen Vernichtung. Jedoch haben wir in diesen Jahren auch mitansehen müssen, wie die faschistische türkische Armee und ihre islamistischen Söldner in Afrin einmarschierten und standen mit dem tödlichen Schweigen der Weltgemeinschaft zu den Verbrechen der Besatzer gegenüber. Viele wertvolle FreundInnen haben wir schon auf diesem Weg verloren und dennoch den Mut niemals aufgegeben.

Trotz vieler schwieriger Proben haben wir uns nicht spalten lassen. Wir standen immer Schulter an Schulter gemeinsam zusammen, haben gemeinsam gelernt, gemeinsam am Aufbau einer neuen Gesellschaft gearbeitet und diese Revolution verteidigt. Wir haben es oft genug betont, dass nur die demokratischen, feministischen, sozialistischen und ökologischen Kräfte unsere Verbündeten im Kampf um eine andere Welt sein können. Und in der Verteidigung Kobanes, der Befreiung Rakkas und im Widerstand um Afrin sind unsere vereinzelten Stimmen zu einem gemeinsamen Ruf nach einer anderen Welt geworden. Wir sind gemeinsam zu einer Kraft gewachsen, die heute nicht mehr wegzudenken ist und auch von den Herrschenden nicht einfach ignoriert werden kann.

Neue Kriegserklärung gegen Rojava und die Gesellschaften in Syrien

Heute, fast ein Jahr nach dem Beginn des verbrecherischen Angriffskrieges des faschistischen türkischen Staates gegen den Kanton Afrin, fast vier Jahre nach der Befreiung Kobanes vom IS, steht die Revolution vielleicht vor ihrer größten Herausforderung. Das faschistische AKP/MHP Regime unter Erdogan hat Rojava erneut den Krieg erklärt. Die Worte sind eindeutig, sie lassen keinen Raum für Zweifel, die Revolution soll ein für alle Mal zu vernichtet werden. Und im Kampf um die öffentliche Meinung, den Medien und hinter verschlossenen Türen, wo die regionalen und imperialistischen Mächte über die Zukunft der Völker Nordostsyriens verhandeln, hat dieser Krieg schon lange begonnen.

Das was wir aus diesen Verhandlungen hören, sind die Stimmen der Herrschenden, über die Köpfe der Menschen in Syrien und Rojava hinweg. Es geht um die Neuaufteilung Syriens, Städte wie Idlib oder Minbic, Regionen und Menschen werden von den imperialistischen Mächten gegen einander getauscht und gehandelt. Die Menschen selbst haben darin keine Stimme, sie werden nur diejenigen sein, welche am Ende das Leid ertragen müssen, wenn die islamistischen Banden der Türkei das grüne Licht zum Einmarsch, zu Mord und Plünderung bekommen und wenn Russland und die USA der türkischen Luftwaffe den Luftraum für flächendeckende Bombardements frei geben werden.

Und trotz der Ankündigung von ethnischen Säuberungen, der Ansiedlung von Islamisten in Rojava und einem offensichtlichen Verstoß gegen das Völkerrecht, schweigt die westliche Welt abermals. Was sollten die Staaten denn auch sagen, wenn ihre Panzer, Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen und Sturmgewehre durch einen weiteren Krieg der Türkei erneut Exportrekorde erreichen könnten? Wir wissen nur zu gut, dass wir von diesen Staaten nichts zu erwarten haben. Krieg, Tod und Verderben bedeuten für sie nichts weiteres als Extraprofite und klingende Kassen. Sie waren es, die der Türkei seit Jahrzehnten die Waffen für den Krieg gegen die eigene Bevölkerung lieferten. Und sie waren es auch, die den Krieg gegen Afrin erst möglich machten. An dieser Realität hat sich bis heute nichts geändert. Trotz oberflächlicher Verwerfungen in bilateralen Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten dauert die internationale Unterstützung des Erdogan-Regimes ungebrochen an. Ohne die roten Teppiche für Erdogan, den finanziellen Hilfen, den Waffenlieferungen und der geheimdienstlichen Kooperation im Kampf gegen die demokratische Opposition in der Türkei, könnte sich der türkische Faschismus nicht einen Tag länger auf den Beinen halten. Aber dort wo das Geld fließt, wird nicht viel Wert auf Menschenrechte, Frieden und Freiheit gelegt. Auf die Menschlichkeit der Herrschenden zu vertrauen ist in dieser Situation also nichts als blanker Wahnsinn. Und so wollen wir auch keine Aufrufe an diese Mächte verschwenden.

Wir rufen auf: Organisieren – Protest – Ziviler Ungehorsam

Unser Aufruf gilt all jenen, die mit uns gemeinsam von einer anderen Welt träumen und bereit sind für diese zu kämpfen. Wir richten uns an alle RevolutionärInnen, an all jene die sich selbst als DemokratInnen, AntifaschistInnen, FeministInnen betrachten und für eine ökologische Zukunft einstehen. Wenn wir es nicht tun, so tut es niemand. Verteidigen wir gemeinsam die Revolution von Rojava, verteidigen wir unsere Hoffnung. Deshalb rufen wir im Geiste der Befreiung von Kobane, des World Kobane und World Afrin Days dazu auf:

* Organisieren wir uns in unseren Vierteln und Städten in Widerstandskomitees zur Verteidigung der Revolution

* Tragen wir gemeinsam am 27.01. unseren Protest weltweit auf die Straßen, um ein deutliches Zeichen unserer Solidarität mit der Revolution in Nordostsyrien zu setzten. Erinnern wir uns gemeinsam an den Widerstand und die Befreiung Kobanes.

* Unterbrechen wir am 28.1. mit entschlossenen und kreativen Aktionen des zivilen Ungehorsams die Waffenproduktion und den Export, den Alltag der politischen Parteien, welche für die Deals mit dem türkischen Regime verantwortlich sind. Machen wir sichtbar wer vom Krieg profitiert, ihn finanziert und antreibt.

Gemeinsam werden wir den 27.1. und 28.1. zu Tagen des globalen Widerstands gegen den türkischen Faschismus machen. Gemeinsam werden wir in den Normalbetrieb von Krieg und Unterdrückung eingreifen, mit vielfältigen Aktionen unsere Solidarität ausdrücken und in aller Deutlichkeit zeigen, dass diese Revolution nicht allein steht!

Stellen wir uns Schulter an Schulter gegen den Faschismus!

Hoch die internationale Solidarität!

Die Revolution in Rojava wird siegen der Faschismus zerschlagen werden!

Internationalistische Kommune in Rojava

Demokratische Föderation Nordostsyrien

03.01.2019

http://internationalistcommune.com/

Aufruf der internationalistischen Kommune von Rojava

An alle demokratischen Kräfte: Verteidigt die Demokratische Föderation Nordostsyrien! Aufruf der Internationalistischen Kommune von Rojava

Weniger als ein Jahr nach dem Beginn des verbrecherischen Angriffskrieges gegen den Kanton Afrin stehen die Völker Nordostsyriens einer erneuten Aggression des faschistischen türkischen Staates und seiner islamistischen Verbündeten gegenüber. Die Drohungen des türkischen Diktators Recep Tayyip Erdogan sind keine leeren Worte, keine bloße Wahlkampfpropaganda und keine reinen Provokationen. Mit den Angriffen auf das Flüchtlings-Camp Maxmur und mehrere Dörfer im Schengal am 13.12. hat er das noch einmal deutlich gemacht. Vielmehr sind sie der letzte Ausdruck der neoosmanischen Expansionsbestrebungen des AKP-MHP Regimes und die offene Ankündigung eines mörderischen Vernichtungskrieges gegen die Revolution in Nordostsyrien und im gesamten Mittleren Ostens.

Seit Beginn der Revolution haben der türkische Staat, das syrische Regime, die imperialistischen Interventionsmächte, allen voran die USA und Russland, alles in ihrer Macht stehende unternommen, um diese Revolution im Keim zu ersticken. Doch weder die islamistischen Mörderbanden, ob nun unter der Fahne von Al-Nusra, der sog. FSA oder der schwarzen Fahne des Islamischen Staates, noch Embargo, Abschottung, Isolation und offener Angriffskrieg konnten den mutigen Widerstand der Bevölkerung brechen.

Die Völker Nordostsyriens haben in den vergangenen 6 Jahren dieses Kampfes mit größten Opfern und Anstrengungen vor der gesamten Weltöffentlichkeit ihre Entschlossenheit zu einem Leben in Freiheit unter Beweis gestellt. Die Befreiung Raqqas durch die Demokratischen Kräfte Syriens, und der damit von Tag zu Tag näherrückenden vollständigen Vernichtung des Kalifats, markiert in Syrien und der gesamten Region den Beginn einer neuen strategischen Phase. Mit der Zerschlagung der Terrorherrschaft des Islamischen Staates verliert auch das taktisch-militärische Zweckbündnis zwischen den Verteidigungskräften Nordostsyriens und den imperialistischen Mächten unter der Fahne der Internationalen Koalition zunehmend an Bedeutung.

So viele innere Widersprüche auch zwischen den regionalen und internationalen Hegemonialmächten bestehen mögen, in einem Punkt sind sie sich alle einig: Die Revolution in Nordostsyrien, ihr rätedemokratischer Verwaltungsaufbau, der Aufbau einer ökologisch-kommunalen Gemeinwirtschaft und der Hauptkraft der Revolution, der Befreiung der Frau aus den jahrtausende alten Fesseln des patriarchalen Herrschaftssystems, stellt heute die größte Gefahr für ihre herrschaftlichen Interessen dar und muss vernichtet werden. Die Revolution in Rojava und Nordostsyrien ist in den vergangenen Jahren zu einer unvergleichbaren Hoffnungsquelle für all jene geworden, die auf der Suche sind nach einem Leben jenseits von Staat, Kapital und Patriarchat. Sie ist ein Leuchtfeuer, das den Unterdrückten und Ausgebeuteten dieser Erde einen Weg aus der Finsternis der kapitalistischen Moderne weisen kann, und hat ein für alle mal bewiesen, dass das von den Herrschenden proklamierte „Ende der Geschichte“ nichts als eine bloße Lüge ist. Sie ist das lebendige Beispiel dafür, dass auch heute im 21. Jahrhundert eine andere Welt möglich ist.

Der Angriffskrieg auf Afrin, die internationale Unterstützung für die Massaker an der Zivilbevölkerung, die NATO-Bomben die auf unsere FreundInnen herabregneten, die deutschen Leopardpanzer, unter deren Ketten unsere Hoffnung zermalmt werden sollte, waren der erste klare Ausdruck der neuen imperialistischen Front gegen die Revolution im Mittleren Osten und Vorzeichen dessen, was wir zu erwarten haben. Die Menschen hier vor Ort, wie auch wir, haben aus Afrin gelernt: Uns auf nichts mehr zu verlassen als auf unsere eigene Kraft. Wir schenken den Stellungnahmen der internationalen Kräfte nicht einen Funken Glauben und werden auch bewusst an Niemanden appellieren. Wir haben Freund und Feind gut kennengelernt und wissen, dass unsere einzigen Verbündeten in diesem Kampf die internationalen demokratischen, revolutionären Kräfte sein können, all jene die von einer anderen Welt träumen und mit denen wir gemeinsam um eine freie Zukunft streiten.

Wir rufen alle demokratischen Kräfte dazu auf, sich auf eine neue Phase des Widerstands, der Aktionen und des gemeinsamen Kampfes vorzubereiten. Alle jene, die im zurückliegenden Jahr mit uns für die Verteidigung Afrins auf den Straßen waren, sich in den vielen Solidaritätskomitees organisierten, den World-Afrin-Day zu einem Ausdruck der weltweiten Solidarität gemacht haben und die mit uns um jeden Meter, jede Straße Kobanês gezittert haben. All jene, die ihre Wut und ihren Hass auf die Feinde der Menschlichkeit, auf die Kriegstreiber und Unterstützer des türkischen Faschismus in Europa und auf der ganzen Welt klar zum Ausdruck gebracht haben. Unsere Botschaft war und ist eindeutig: Wenn der Krieg gegen die Revolution ein internationaler ist, so ist es auch unser Widerstand. Lasst uns gemeinsam zeigen, dass diese Revolution unser aller Kampf ist, dass Rojava unsere Hoffnung und Perspektive ist und dass wir unsere Zukunft gemeinsam verteidigen werden.

Dass die Angriffe in dieser Phase erfolgen, ist kein Zufall. Das internationale kapitalistische System agiert heute aus einer Position der Schwäche. Die strukturelle Krise der etatistischen Zivilisation lässt sich nicht mehr vertuschen und von Tag zu Tag beginnen mehr Menschen aufzuwachen und nehmen den Kampf gegen dieses unterdrückerische System auf. Das sehen wir auf den Straßen Frankreichs, im Protest gegen den G20 Gipfel im argentinischen Buenos Aires, im Frauenstreik, den #NiUnaMenos und den Protesten im Hambacher Forst. Die Mächte der alten Ordnung versuchen sich mit Ausnahmezustand, Staatsterrorismus und offenem Faschismus am Leben zu erhalten, doch ihre Tage sind gezählt wenn wir uns gemeinsam organisieren und uns gegen die Angriffe auf unser Leben zur Wehr setzen. Nutzen wir die Kraft die wir alle aus dieser Revolution geschöpft haben und intensivieren wir unseren Kampf. Wenn wir unsere gemeinsame Kraft erkennen, werden wir dieses System ein für alle Mal auf den Misthaufen der Geschichte werfen können. Gegen die Offensive der kapitalistischen Moderne gilt es überall den Widerstand und Aufstand der Demokratischen Moderne zu organisieren.

Auch für uns als Internationalistische Kommune in Rojava beginnt heute eine neue Phase. Wir sind in Rojava zusammengekommen um die zivilen Strukturen dieser Revolution zu unterstützen, um zu lernen und zu verstehen und gemeinsam mit der Bevölkerung den Aufbau voranzutreiben. So wie der Bevölkerung Rojavas wird auch uns dieser Krieg aufgezwungen. Wenn der Feind uns aber keine andere Wahl lässt, so werden auch wir nicht tatenlos zusehen sondern uns mit all unserer Kraft und all unseren Fähigkeiten an der Vorbereitung des Widerstands und der Verteidigung der Gesellschaft und Revolution beteiligen. Wir werden alles nötige unternehmen um unseren Beitrag in diesem Widerstand zu leisten. Wir werden Seite an Seite mit der Bevölkerung gegen den faschistischen Angriff stehen. Wir mögen aus unterschiedlichsten Teilen dieser Erde mit unterschiedlichen Vorstellungen und Arbeiten hier zusammengekommen sein, doch dieses Land ist uns in den vergangenen Jahren auch zur Heimat geworden. In diesem Sinne werden auch wir uns an der gesellschaftlichen Generalmobilsierung der Autonomieverwaltung von Nordostsyrien welche am 12.12. begonnen hat, beteiligen.

Stellt auch ihr euch an die Seite der Revolution, erhebt eure Stimme, geht zusammen auf die Straßen, schließt euch euch den bestehenden Solidaritätskomitees und Widerstandsgruppen an und bildet weitere. Beginnt mit Aktionen des zivilen Ungehorsams, um auf die Lage in Rojava aufmerksam zu machen und ein klares Zeichen der Solidarität zu senden.

Schulter an Schulter gegen den Faschismus!

Hoch die internationale Solidarität!

Die Revolution in Nordostsyrien wird siegen, der Faschismus zerschlagen werden!

Internationalistische Kommune in Rojava

Demokratische Föderation Nordostsyrien

20.12.2018

Aufbau Vertrieb

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An- und Verkauf kommunistischer Literatur, Infos, Kontaktmöglichkeiten und vieles mehr. Infos, Adressen und Öffnungszeiten.

RJZ & Rote Hilfe

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Weitere aktuelle Infos gibts auf der Seite der Revolutionären Jugend Zürich & auf dem Blog der Roten Hilfe

Rote Radios

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Rote Welle und Radio Widerspruch. Die Radiosendungen des revolutionären Aufbau.