Im Kongo tobt ein blutiger Stellvertreterkrieg um die Kontrolle der rohstoffreichen Provinz Kivu. Vor der Küste Somalias formiert sich eine Armada von Kriegsschiffen, um den sicheren Abtransport der Rohstoffe militärisch durchzusetzen.

(rabs) Von links bis rechts herrscht helle Empörung. Nicht etwa über die Ausplünderung der Weltmeere durch die Hochseeflotten der imperialistischen Mächte oder die dadurch produzierte Arbeitslosigkeit der lokalen Fischer. Statt brav zu verhungern wagen es doch tatsächlich inzwischen zu Piraten mutierte Fischer, den Welthandel ernsthaft in Gefahr zu bringen. Nichts ist ihnen heilig – weder der  mit Kriegsgerät voll gepackte ukrainische Frachter noch der randvoll mit Öl gefüllte Supertanker „Sirius Star“. Fraglos ist die Seepiraterie eine Form der organisierten Kriminalität, die keineswegs nur Robin Hood'sche Züge trägt. Im Vergleich zu den imperialistischen Raubzügen in Afrika sind die somalischen Piraten allerdings kleine Eierdiebe, die nun militärisch ausgerottet werden sollen. Passend zum kommenden 60-jährigen NATO-Jubiläum soll einmal mehr der weltweite Aktionsradius der europäisch-amerikanischen Kriegstruppe demonstriert werden. Bereits vor Ort sind seit längerer Zeit internationale Kriegsschiffe der zur Operation Enduring Freedom gehörenden „Task Force 150“ und auch russische Kriegsschiffe. Da dürfen natürlich die europäischen Mächte nicht fehlen und die EU entsendet in den nächsten Wochen sechs Kriegsschiffe in die somalischen Gewässer. 

Blut für die Handelswege

Blut soll jetzt endlich fliessen – selbst sonst eher zurückhaltende ZeitgenossInnen verlieren beim Thema Piraterie jegliche politische Vernunft und unterstützen einen Militäreinsatz. Schliesslich gehört die Sicherung der Rohstoffquellen und der Transportwege wieder zum Grundauftrag der europäischen Armeen. In guter alter Kolonialmanier legitimiert der deutsche Verteidigungsminister Jung den militärische Einsatz im fernen Afrika ausgerechnet mit dem deutschen Strafgesetz, das es jedermann erlaube, einen Straftäter  in flagranti festzunehmen. Die Interessen Deutschlands, Frankreichs oder der USA werden eben nicht nur am Hindukusch, sondern auch in Somalia oder der  rohstoffreichen kongolesischen Provinz Kivu verteidigt.

Der Rohstoffreichtum – das Drama des Kongo

Der jüngste Krieg dreht sich wie alle Schlächtereien der letzten Jahrzehnte im Kongo um den Zugang der ausländischen Konzerne zu den Rohstoffen. Bereits die Unabhängigkeit des Kongo begann deshalb mit einem Mord – der fortschrittliche Präsident Patrice Lumumba wird mit aktiver Unterstützung Belgiens und der USA durch den antikommunistischen Armeechef Mobutu 1965 entmachtet und ermordet. Bis zu seinem Sturz lässt Diktator Mobutu das Land durch ausländische Konzerne ausplündern, selbstredend gegen entsprechende Tantiemen auf seine Schweizer Konten. 1997 wird er durch Laurant Kabila gestürzt. Zwar begrüssen die imperialistischen Mächte den Sturz des lange gehätschelten Mobutu – hatte er doch in den 90er Jahren Verträge mit chinesischen Firmen zur Rohstoffausbeutung abgeschlossen. Doch auch Laurant Kabila war nicht nach dem Gusto der USA. Er drehte den Spiess nämlich einfach um und „er versuchte, ausländische Investoren zu betrügen“, wie die demokratische Kriegslady Madeleine Albright entsetzt in ihren Memoiren festhält1. 2001 wird Laurant Kabila ermordet.  Zufrieden konstatiert die damalige US-Aussenministerin Albright den Mord mit den Worten: „Sein gemässigterer Sohn Joseph Kabila trat seine Nachfolge an, was es erleichterte, ein Abkommen auszuhandeln“.2

Laurant Nkunda – Schlächter für den freien Markt

Der Hintergrund für den aktuellen Krieg im Kongo sind einmal mehr die Verträge über die Ausbeutung der Rohstoffe und die Konkurrenz zwischen den imperialistischen Mächten.   Frankreich und Belgien versuchen, ihre Interessen über die Regierung von Joseph Kabila wahrzunehmen. Deutschland und die USA  sind eng mit der ruandischen Regierung von  Präsident Kagame verbunden, der über seinen alten Kampfgefährten Laurant Nkunda versucht, die Kontrolle über die kongolesischen Rohstoffe zu gewinnen. Einig sind sich die westlichen Mächte eigentlich nur in einem Punkt: Das von Joseph Kabila abgeschlossene 9-Milliarden-Geschäft mit der VR China ist nicht in ihrem Interesse. Und da kommt der von Ruanda hochgepäppelte Rebellen-Chef Nkunda zum Zuge. Er will diese Verträge mit der militärischen Kontrolle über die Provinz und ihre Rohstoffe ausser Kraft setzen und bietet sich den multinationalen Konzernen und ihren Staaten als Garant für die weitere Ausplünderung des Kongo an.

Fussnoten

1  Madleine Albright, Madam Secretary, S. 542

2  a.a.O. S. 640

 

 

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