Am 8. März 2018 haben weltweit Millionen von Frauen gestreikt, demonstriert, blockiert, besetzt und damit einen überwältigenden Protesttag gesetzt. Die proletarische Frauengeschichte des 8. März, die vor über 100 Jahren begann, wird mit neuer Kraft weitergestossen.

 (fk) Der inoffizielle globale Aufruf zum Streiktag 8. März 2018 wurde in den USA initiiert: «Wir brauchen einen Feminismus für die 99%, deshalb werden Frauen dieses Jahr streiken!». Der Aufruf beleuchtet die Ereignisse seit dem 8. März 2017 – in erster Linie die #metoo-Enthüllungen, die ein ganzes System deutlich gemacht haben, das hinter den einzelnen Tätern steht und deren Vorgehen erst ermöglicht. Der Aufruf wurde in über 70 Ländern aller Erdteile verbreitet und in zahlreichen Ländern umgesetzt. Die schweizer Gewerkschaften allerdings stellten sich taub, stumm und lahm. Dabei hätten wir doch eine gute Vorlage mit dem 14. Juni 1991 ...

Mit der Losung «Feminismus der 99%» geht es um die Ausweitung der Rechte für Alle, um Bedingungen für ein Leben mit mehr Sicherheit zu schaffen – gewerkschafltiche Rechte für die Frau, die Toiletten putze, für die Erntehelferin in Kalifornien, Rechte für Migrantinnen, für Frauen aller Hautfarben und für Menschen jeglicher sexueller Orientierung. Dieser Streik richte sich auch gegen Kriegstrommeln, gegen Polizeibrutalität und Menschenjagd und gegen die «weisse Überlegenheit». Auch zahlreiche Gruppierungen aus der gewerkschaftlichen Mindestlohn-Bewegung haben den Aufruf übernommen.

Wir haben einige wenige Ereignisse und Länder herausgepickt, um aufzuzeigen, dass die Frauenbewegungen die wesentlichen politischen und ökonomischen Themen aufgreifen und bereit sind, frauen- und klassenkämpferisch die Welt grundlegend umzugestalten.

Argentinien

In Argentinien gingen im ganzen Land 300‘000 Menschen auf die Strasse, um gegen Gewalt an Frauen, gegen Entlassungen und für das Recht auf Abtreibung zu kämpfen. In Buenos Aires versammelten sich die ArbeiterInnen des Krankenhauses Posadas gemeinsam mit AktivistInnen anderer Sektoren und mit linken Organisationen, um eine Strassenblockade im Zentrum der Stadt zu errichten. GewerkschafterInnen und ArbeiterInnen wehren sich gegen die Entlassungswelle der Regierung, auch im Bereich der Eisenbahnen. Ihr Kampf wurde zum Symbol des Widerstands gegen die Angriffe auf die ArbeiterInnenklasse durch die Regierung insgesamt. Aber auch das Thema Abtreibung mobilisiert viele Frauen. In Argentinien steht Abtreibung unter Strafe, jedes Jahr sterben Hunderte Frauen an den Folgen unsicherer, illegalisierter Abtreibungen. Besonders arme Frauen, die sich keine teuren Kliniken oder Reisen ins Ausland leisten können, sind davon betroffen.

Dieser 8. März zeigte, dass die Frauenbewegung in Argentinien eine ernst zu nehmende kämpferische Kraft ist. Bereits vor drei Jahren bildete sich die Bewegung «Ni una menos», «Nicht eine weniger», der sich immer mehr Menschen anschlossen, da eine Serie von Vergewaltigungen und Morden das Land erschütterte. Alle 18 Stunden wird eine Frau ermordet. Viele feministische Gruppen waren im ganzen Land aktiv und haben sich mit Arbeiterinnen im Streik solidarisiert, z.B. mit den entlassenen Arbeiterinnen der Pepsi-Fabrik, die vor dem Kongressgebäude ein Protestcamp errichtet haben. Oder es gab ein Treffen für eine Kundgebung in El Bolsón im Süden des Landes, um der Kriminalisierung der sozialen Proteste der indigenen Mapuche entgegenzutreten. Im Norden, in Jujuy, gab es Kundgebunden, um dort für die Freilassung von Milagro Salas, einer politischen Gefangenen, einzutreten.

Brasilien

In Brasilien gab es quer durchs Land betriebliche Aktionen, z.B. die Blockade des Druckereiparks des Globokonzerns, der mit seinen Sendern das Fernsehen im Dienste des Rechtsradikalismus dominiert und Frauenfeindlichkeit im Programm hat – gedruckt wurde jedenfalls an diesem Tag in Rio nicht. Oder z.b. in Natal, im Norden des Landes, wo ein Textilbetrieb der Gruppe Riachuelo bestreikt und besetzt wurde. Diese landesweite Textilhandelskette ist dafür bekannt, besonders viele Frauen zu besonders üblen Bedingungen zu beschäftigen. Der Eigentümer hatte sich auch in zahlreichen Kommentaren im TV als extremer Reaktionär profiliert.

Aufgerufen zum Streiktag hatten drei Gewerkschaften des alternativen Netzwerkes, CGT, SUD und CSP. Der Protest gegen die Gewalt an Frauen solle auch mit dem Protest gegen die Rentenreform der Regierung verbunden werden, der insbesondere ein Angriff auf die Frauen darstellt.

Auch die Frauenbewegung der Brigadas Populares, die vor allem in den Armenvierteln stark vertreten sind, hatten an alle interessierten Organisationen einen offenen Brief mit dem Aufruf zum Protesttag verschickt.

Uruguay

In Montevideo beteiligten sich rund 100‘000 Menschen an einer Demonstration, die von grosser Betroffenheit geprägt war, da gerade ein Tag vorher wieder eine Frau ermordet worden war. Es wurde kritisiert, dass es sich um eine strukturelle, gesellschaftliche Gewalt handele, die sich von der häuslichen Gewalt über den Arbeitdsplatz bis hin zu generellen gesellschaftlichen Strukturen ziehe. Dem Aufruf des Gewerkschaftsbundes PIT-CNT zu einem Streik ab 16 Uhr wurde massiv Folge geleistet – und auch den Aufrufen verschiedener Einzelgewerkschaften, vor allem aus dem Bildungsbereich, zu einem ganztägigen Streik.

Indien

In Indien waren in erster Linie Textilarbeiterinnen aktiv, die bereits in den letzten Jahren mehrfach militante Kämpfe geführt hatten, aber auch Hausangestellte und Bauarbeiterinnen. In Demonstrationen und Kundgebungen wurde gleicher Lohn und ein Ende der systematischen Belästigungen, oftmals von Vorgesetzten oder den Eigentümern, gefordert. In Indien gibt es seit 1976 zwar ein Gesetz für die Lohngleichheit, Frauen verdienen jedoch noch immer nur 66% eines Männerlohnes, da die Frage von den Gewerkschaften nicht ernst genug genommen wird.

Italien – «Noi scioperiamo»

Auch in Italien konnte der Gewerkschaftsbund USB über die erfolgreiche Beteiligung am Frauenstreiktag berichten. Besonders im Transportbereich, wo viele starke Alternativ-Gewerkschaften wie z.B. COBAS und CUB präsent sind, kam es den ganzen Tag über zu Streikaktionen. «Noi scioperiamo», wir streiken, hiess auch der Aufruf des Frauennetzwerkes, dem auch viele Frauen der italienischen Basisgewerkschaften angehören. Auch die Belegschaft der Alitalia beschloss einen ganzen Tag in den Streik zu treten. Die Parole «Non una di meno», nicht eine weniger, prangte die Gewalt und die Morde an Frauen an. In Mailand fand eine ganztägige Kundgebung statt.

Frankreich

In verschiedenen Städten mobilisierten Alternativgewerkschaften und Frauennetzwerke gemeinsam. Ab 15:40 Uhr sollte gestreikt werden, nämlich um die niedrigeren Löhne der Frauen auszugleichen. Vor allem im Gesundheitswesen und im Bildungssystem wurde die Arbeitssituation der Frauen denunziert.

Auch unter schwierigen Bedingungen

Auch in Ländern mit Verbot, Repression und Krieg wurde gekämpft. In der Türkei hatten Frauenorganisationen landesweit zu Demonstrationen aufgerufen. «Wir werden Frauenmorde stoppen» hiess eine der Parolen. In der Türkei wurden 2017 338 Frauen ermordet. Die Polizei löste Demonstrationen in Ankara und Istanbul auf und verhaftete vorübergehend Aktivistinnen. Unter der reaktionären Regierung Erdogans geraten die Rechte der Frauen immer mehr unter Druck. Selbst Verhütung wird als «Verrat» an der Türkei bezeichnet und die Frauen sind aufgefordert, mindestens drei Kinder zu gebären.

In Hatay an der türkisch-syrischen Grenze demonstrierten 10‘000 Frauen aus zahlreichen Ländern um gegen den Krieg der Türkei gegen Nordsyrien zu protestieren. Auch in Afrin demonstrierten die Frauen obwohl an dem Tag die türkischen Truppen ihren Überfall fortsetzten.

In Iran forderten die Frauen den gleichen Lohn und protestierten gegen den frauenfeindlichen Kleiderzwang. Es gab eine Reihe kleinerer Proteste, wie bereits in den vorhergehenden Monaten das Schwenken des Kopftuches an einem Stock. Viele Frauen sitzen seit Monaten in Haft deswegen.

aus: aufbau 93

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