Flugblatt zum Frauenkampftag 8. März 2007

Dieses Flugblatt mit einer Seite des Revolutionären Aufbau und einer Seite der Frauen-Arbeitsgruppe zum revolutionären 8. März haben wir für die Demo am 10. März in Zürich veröffentlicht:

NEHMEN WIR UNS MEHR-WERT!
KOLLEKTIVIEREN WIR FAMILIE, BETRIEB UND HERD!

Frauendiskriminierung hat verschiedene Gesichter, da die ökonomischen, politischen und kulturellen Bedingungen weltweit unterschiedlich sind. Auch wenn sich hier in Europa schon vieles Richtung Gleichstellung zwischen Frau und Mann bewegt hat und ein Wandel der Geschlechterverhältnisse heute erkennbar ist, kann von einer wirklichen Gleichheit keine Rede sein. Wir können von vielen positiven Veränderungen sprechen, zum Beispiel im Bildungsbereich, bezüglich der Mutterschaftsversicherung und im Bereich der Erwerbsarbeit. Frauen verdienen heute ihren eigenen Lohn und können in der Regel selbst bestimmen in welcher Familienform sie leben wollen.
Anderseits treffen wir überall noch auf starre Rollenbilder und müssen erkennen, dass grundsätzlich auch hier in der Schweiz noch vieles zu verändern ist.

LASST UNS AUS DER ROLLE FALLEN!

In der Berufswahl folgen junge Frauen und Männer immer noch traditionellen Mustern. Frauen verdienen im Durchschnitt 22% weniger Lohn. In Haushalt und Familie tragen sie immer noch die Hauptlast. Dieser Bereich ist jener, in dem sich die geschlechtshierarchische Rollenteilung am hartnäckigsten hält. Patriarchale Wertmassstäbe und die Strukturen auf dem Arbeitsmarkt sind die Ursachen hierfür.

GEGEN DIE GESCHLECHTSSPEZIFISCHE ARBEITSTEILUNG!

Der Schrei und die für die Mehrheit unerfüllbare Forderung nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie zeigen nur allzu deutlich, dass der Kapitalismus kein Interesse daran hat, Haus- und Familienarbeit zu vergesellschaften und die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung aufzuheben.
Die „Vereinbarkeitsrechnung“ von Beruf und Familie bedeutet für Frauen eine Addition, nämlich:
Arbeit + Arbeit = Erschöpfung
Von Frauen wird erwartet, dass sie den Männern gleich ihre Arbeitskraft verkaufen und gleichzeitig die Gratisarbeit in Haus und Familie verrichten.

MEHR UND KOSTENLOSE KINDERBETREUUNG! FÜR DIE GLEICHTEILIGE MITARBEIT VON MÄNNERN IN HAUSHALT UND FAMILIE!

Insbesondere in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Sozialabbau bedeutet dies nicht nur mehr unbezahlte Arbeit und Belastung für Frauen, sondern auch teure Kinderkrippen mit langen Wartelisten, weniger Lehrstellen, weniger Sozialleistungen und höhere Lebenskosten. Vermehrt wird die Erziehungs- und Sorgearbeit in den privaten Bereich abgeschoben. Für proletarische Frauen heisst das: Armut, Mehrfachbelastung, zunehmende Gewalt in der Familie und Isolation.

SICHERE ARBEITSVERHÄLTNISSE UND SOZIALE ABSICHERUNGEN! M EHR LOHN! WENIGER ERWERBSARBEIT FÜR FRAU UND MANN!

Die zunehmende Verarmung und Vereinsamung vieler Menschen, Umweltzerstörung, Sparmassnahmen, Privatisierungen und Sozialabbau in allen Bereichen und daneben das steigende Wachstum und die fetten Profite der Kapitalisten zeigen uns die menschenverachtende Fratze der kapitalistischen Produktionsweise nur allzu deutlich. Eine Gleichheit wird es im Kapitalismus nicht geben, in einem System das nur an Profit interessiert ist.
Eine Gesellschaft, welche die Frauen befreien will, muss die private Haus- und Familienarbeit vergesellschaften. D.h. es braucht genügend und vor allem gute und billige öffentliche Einrichtungen für Kindererziehung und Pflege, sowie eine gleichteilige Mitarbeit der Väter in Haushalt und Familie.
Kämpfen wir gemeinsam für die Emanzipation von Frau und Mann, für eine revolutionäre Veränderung.

Frauenbefreiung im Kapitalismus ist Illusion!
Für die Vergesellschaftung von Haus- und Familienarbeit!
Für den Kommunismus!


Für die Emanzipation der Geschlechter!

Im letzten November wurde in Seebach ein 13-jähriges Mädchen von Jugendlichen mehrmals vergewaltigt. In den Erklärungsversuchen der Medien wurde häufig der Migrationshintergrund der Täter als Grund für das Fehlverhalten der Jugendlichen genannt. Mit dieser Aussage wird diesen Jugendlichen unterstellt, dass sie auf Grund ihrer Herkunft aus Regionen, die vermeintlich sexistischer und gewalttätiger geprägt sind als die Schweiz, anders veranlagt seien.
Wir sind der Meinung, dass durch diese Argumentation die «andere» Kultur abgewertet wird und diejenigen, die dies vertreten, sich über Andere stellen. Das ist Rassismus und dient meistens zur Ausgrenzung und Hetze gegen ausländische Leute. Ausserdem wird dadurch von der Tatsache abgelenkt, dass die Jugendlichen hier in unserer Gesellschaft aufgewachsen sind und demzufolge vor allem von diesem Umfeld geprägt sind. Die Vergewaltigung in Seebach ist ein Beispiel für die Frauenfeindlichkeit unserer Gesellschaft hier und heute. Es wird nur in spektakulären Fällen genauer hingeschaut, doch dies sind nur die Spitzen des Eisbergs.
Wie sieht es im Alltag von Frauen aus?
Es ist wichtig, die sexuelle Gewalt nicht als fehlgeleitete Sexualität zu verstehen, sondern als ein ungleicher Kampf um Machtverhältnisse. Auch hier in der Schweiz begünstigen Strukturen, die ungleiche Verhältnisse schaffen, die sexuelle Gewalt an Frauen. Trotz Frauengleichstellungsgesetz gibt es nach wie vor frauenspezifische Diskriminierung durch die patriarchalen Strukturen in dieser Gesellschaft. Die ungleiche Rollenverteilung in der Familie, wo die Frau einen Grossteil der unbezahlten Arbeit verrichtet, verhindert eine wirtschaftliche Gleichstellung. Durch die Werbung und Medien werden den Frauen und Männern bestimmte Rollen zugeschrieben, die es für Frauen und Männer zusätzlich schwierig machen, diese so genannten typischen Rollen aufzubrechen und zu mehr Selbstbestimmung zu gelangen. Zudem schaffen Abhängigkeitsverhältnisse die Gefahr von Übergriffen und Machtausübung, besonders in alltäglichen Situationen, wie in der Familie, bei der Arbeit oder in der Schule.

Gegen sexuelle Gewalt!

Viele Frauen, sei es als Partnerin, als Hausfrau, als Angestellte…, sollen sich dem Mann nicht nur unterordnen, sondern müssen sexuell auch immer verfügbar sein. Dafür ist das Sexgewerbe ein besonders treffendes Beispiel, denn nirgendwo wird diese Idee konsequenter propagiert und durchgeführt. Das Sexgewerbe ist ein Teil des Systems und dieser Gesellschaft. Es ist inzwischen zu einer globalen Industrie geworden, welche die Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten möglichst effizient zu befriedigen versucht und Frauen und Kinder auf massivste Weise ausnützt. Durch die Ausbeutung von Menschen werden die Profite optimiert, wie es auch in anderen wirtschaftlichen Bereichen sichtbar ist: Nightclubs, Bordelle, Cybersex, Pornofilme, – mann kann alles haben!
Deshalb ist eine grundlegende Änderung der sexistischen und patriarchalen Strukturen der Gesellschaft als Ganzes immer noch dringend nötig. Frauen und Männer müssen sich diesen Machtstrukturen bewusst werden. Setzen wir gemeinsam den Kampf fort!

Für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung
Wer uns unterdrückt – kriegt zurück
Frauenkampf hier und international

Frauen-Arbeitsgruppe zum revolutionären 8. März