Spital-Streik in Neuchâtel: Flugblatt (26.1.13)

 

 

 

Flugblatt zur Solidaritäts-Demonstration für den Spital-Streik der La Providence in Neuchâtel nach 2 Monat Kampf am 26. Januar 2013.

 Flugblatt auf deutsch:

Ein exemplarischer Kampf

Seit zwei Monaten stehen die mutigen Angestellten des Spitals “La Providence” im Streik. Mit Entschlossenheit antworten sie der Arroganz der Direktion, der Genolier und der Neuchâteler Regierung. Die Konfrontation hat sich immer mehr zugespitzt. Das hat Gründe und erfordert um so mehr aktive überregionale Solidarität.

Gerade weil die Konfrontation im Spital La Providence so zugespitzt ist, ist sie kein Einzelfall. Sie ist exemplarisch für das, was im Moment überall in Europa durch Massenproteste noch in viel stärkerer Form vor sich geht, und für das, was wir in der Schweiz längerfristig erleben werden. Der Kampf zwischen unvereinbaren Interessen der Lohnabhängigen und der Kapitalisten.

Weshalb ist Genolier so unnachgiebig? Weil gerade diese Unnachgiebigkeit ihren Marktwert definiert. Nicht für uns, denn wir sehen einen Wert in guten Arbeitsbedingungen oder in einem funktionierenden Gesundheitssektor. Aber für die Investoren liegt der Wert einer so aggressiven Investorengruppe darin, grössere Profite durchzusetzen, indem sie die Arbeit der Spital-Angestellten durch Arbeitsintensivierung und Lohnabbau billiger macht. In der Logik des Kapitalismus ist Genolier wertvoll – nicht weil sie etwas aufbaut, sondern weil sie Arbeits- und Sicherheitsstandards abbaut. Der Kampf gegen die Interessen der Spital-Angestellten, gegen den GAV Santé 21, ist Genoliers Visitenkarte für das Kapital.

Aber auch die Neuenburger Regierung arbeitet an ihrer Visitenkarte. So tut sie alles, um dem Kapital neue Investitionsfelder zugänglich zu machen. Mit La Providence hat sie offen begonnen, den Gesundheitssektor bedingungslos an Private zu verkaufen, und versucht den Widerstand der Streikenden zu brechen.

 

Unsere Bedürfnisse gegen ihre Kosten-Logik

Was in Neuchâtel passiert, hat uns alle zu interessieren, weil wir in Zukunft immer mehr vor diesen Konfrontationen stehen. Der Kapitalismus steckt in einer tiefen Krise. Denn es wird zu viel produziert. Nämlich so viel, dass wir zwar alle gut und gesund leben könnten, aber eben zu viel um Kapital noch profitabel investieren zu können. Und gerade das – die Vermehrung von Kapital – ist die Logik des Kapitalismus. Deshalb setzen Unternehmer und Staat diese Logik immer stärker und aggressiver gegen unsere Interessen und Bedürfnisse durch.

Dass die Profiteure dieses Systems damit erfolgreich sind, erleben wir täglich. Die Regierung delegitimiert mit dem Argument der leeren Staatskassen jedes Bedürfnis der Bevölkerung nach einem funktionierenden Gesundheitssektor. Und die Spital-Manager drücken Entlassungen, Lohnabbau und Qualitätverschlechterungen kompromisslos gegen uns durch, nur mit dem Argument, unsere Arbeitskraft sei zu teuer. Obwohl wir alle wissen, was uns Arbeitsbedingungen und Gesundheit wert sind, akzeptieren viele oft dieses Kosten-Argument, denn im Kapitalismus und der bürgerlichen Gesellschaft ist es konsequent und logisch, alles und jedeN auf die Profitabilität zu reduzieren. Umso mehr müssen wir mit dieser Logik brechen, uns nicht auf Kosten- oder Profitdiskussionen einlassen. Wir müssen Mut und Entschlossenheit entwickeln, unsere Werte und Interessen gegen die Profitlogik einzufordern und dafür zu kämpfen.

 

Die Antwort auf unsere gemeinsamen Probleme

Genau diesen Mut und diese Entschlossenheit beweisen die Streikenden. Das Besondere dieses Kampfes ist nicht, dass wir nicht alle schon Angriffe auf unsere Arbeitsbedingungen erlebt hätten, sondern vielmehr, dass sich die betroffenen KollegInnen zusammengeschlossen haben und Widerstand leisten. Leider wird der Streik aber zu oft auf diese Besonderheit reduziert. Andere Sektionen der zuständigen Gewerkschaften tun so, als ob dieser Streik nichts mit der Situation in anderen Spitälern zu tun habe. Wie schon bei den Streiks von ISS oder im Genfer Spital zögerten die gewerkschaftlichen Sektionen in der Deutschschweiz auch jetzt viel zu lange um konkrete Solidaritätsarbeit zu organisieren.
Gerade weil sich die Angestellten wehren und kämpfen, sehen die Zuständigen in anderen Gewerkschaftssektionen oft keine Gemeinsamkeit mit dem sozialpartnerschaftlichen Arbeitsfrieden, der in ihrem Zuständigkeitsbereich herrscht. Dabei ist es genau diese Art von Arbeitsfrieden, die verantwortlich dafür ist, dass seit längerem die Arbeitsbedingungen sukzessive verschlechtert werden.

Die stärkste Solidarität ist es also, wenn wir die Gemeinsamkeit zwischen verschiedenen prekären Situationen sichtbar machen und die Kraft und den Widerstand der Streikenden an weitere Arbeitsstellen weitertragen. Das haben einige selbstorganisierte Leute und revolutionäre Gruppen in der Deutschschweiz versucht, indem sie mit Aktionen vor anderen Spitälern oder mit einer Veranstaltung in Zürich über den Streik informiert haben. Sie können dies tun, weil sie keine Angst haben, ihre “Sozial-“ und Verhandlungspartner in den Manageretagen oder in der Politik zu verärgern. Auch wir gehen davon aus, dass die Unternehmer und die herrschende Politik Interessen haben, die nicht mit unseren Bedürfnissen vereinbar sind. Dass die Sozialpartnerschaft nur eine verdeckte Form von Klassenkampf von oben gegen unten ist und uns daran hindert wirksam gegen die ständigen Verschärfungen zu kämpfen. Und dass wir unsere Bedürfnisse und Werte im Gesundheitsbereich nur gegen die Interessen der KapitalistInnen durchsetzen können, wenn wir kämpfen und nicht naiv von Gemeinsamkeiten und Partnern zwischen oben und unten ausgehen.

Der Streik bei La Providence ist politisch, weil er die richtige kämpferische Antwort auf die Frage ist, die sich Angestellte in verschiedenen Betrieben und Regionen stellen: “Wie können wir Schluss machen mit der Verschlechterung unserer Arbeitsbedingungen?” Und diese Antwort kann zukünftig nur konsequent formuliert werden, wenn wir über die kapitalistische Logik hinausblicken und den Mut haben eine solidarische, gesellschaftliche Zukunft zu erkämpfen, die sich nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen aller richtet. Wir nennen das Kommunismus.

 

Stopp der Privatisierung der Gesundheit durch Genolier
Solidarität mit den Streikenden

 


 

Brochure en francais:

 

Une lutte exemplaire

Depuis deux mois, les employées courageuses de l’hôpital « La Providence » à Neuchâtel sont en grève. Ils répondent avec décision à l’arrogance de la direction, de Genolier et du gouvernement neuchâtelois. La confrontation s’est accentuée de plus en plus, ce qui a des raisons et demande d’autant plus la solidarité interrégionale.

Justement parce que la confrontation à l’hôpital La Providence est tellement accentuée elle n’est pas un cas unique. Elle est exemplaire pour ce qui se passe en ce moment partout en Europe à travers des contestations de masse à une échelle encore plus haute et pour ce que nous vivrons en Suisse à plus long terme. C’est la lutte entre les intérêts incompatibles des salariéEs et des capitalistes.

Pourquoi Genolier est-il tellement intransigeant? Parce que justement cette intransigeance définit sa valeur sur le marché. Pas pour nous, puisque nous voyons une valeur dans de bonnes conditions de travail ou un secteur de la santé qui fonctionne bien. Mais pour les investisseurs la valeur d’un groupe si agressif est qu’il peut imposer plus de profit en diminuant la valeur du travail des employéEs de l’hôpital par l’intensification du travail et la diminution des salaires. Dans la logique du capitalisme, Genolier est précieux – non pas parce qu’il construit quelque chose, mais au contraire parce qu’il diminue les standards du travail et de la sécurité. La lutte contre les intérêts des employéEs de l’hôpital, contre la CCT Santé 21 est la carte de visite pour le capital.

Mais c’est aussi le gouvernement neuchâtelois qui travaille à sa carte de visite. Il fait tout pour donner l’accès au capital à de nouveaux champs d’investissement. Avec La Providence, il a commencé de vendre sans conditions le secteur de la santé à des privés et essaye de briser la résistance des grévistes.

 

Nos besoins contre leur logique des coûts

Ce qui se passe à Neuchâtel doit nous intéresser toutes et tous parce que nous nous trouverons de plus en plus devant ces confrontations. Le capitalisme est dans une crise profonde parce qu’on produit trop. Autant, que nous pourrions vivre tous bien et en santé, mais trop pour continuer à investir profitablement le capital. Et c’est cela – l’augmentation du capital – qui est la logique du capitalisme. C’est pour cela que les entrepreneurs et l’état imposent de plus en plus agressivement cette logique contre nos intérêts et besoins.

Nous voyons tous les jours que les profiteurs de ce système ont du succès avec cela. Avec l’argument des caisses vides de l’état, le gouvernement rend illégitime le besoin d’un secteur de santé fonctionnant qu’éprouve la population. Et les gérants de l’hôpital imposent sans compromis des licenciements, des diminutions du salaire et des détériorations contre nous, avec le seul argument que notre force de travail serait trop chère. Bien que nous connaissions toutes et tous la valeur des conditions de travail et de la santé, beaucoup acceptent cet argument financier parce qu’il est logique et cohérent dans le capitalisme et la société bourgeoise de réduire tout et chacunE à sa capacité de rapporter du profit. D’autant plus nous devons rompre avec cette logique et ne pas nous embarquer dans des discussions sur les coûts et les profits. Nous devons développer le courage et la détermination de revendiquer nos valeurs et intérêts contre la logique du profit et lutter pour eux.

 

La réponse à nos problèmes communs

C’est exactement ce courage et cette détermination que les grévistes montrent. Ce qui est spécial dans cette lutte, ce n’est pas l’attaque sur nos conditions de travail, mais que les collègues concernéEs se sont uniEs et résistent. Malheureusement on réduit la grève à cette particularité. D’autres sections du syndicat compétent font semblant d’ignorer le lien qui unie cette grève avec la situation dans d’autres hôpitaux. Comme déjà lors de la grève d’ISS ou à l’hôpital de Genève, les sections syndicales en Suisse alémanique hésitent de nouveau beaucoup trop longtemps d’organiser le travail de solidarité concrète.
Justement parce que les employéEs résistent et luttent, les responsables dans d’autres sections du syndicat ne voient souvent pas de lien avec la paix du travail et le partenariat social qui règnent dans leur ressort. Et pourtant c’est exactement ce genre de paix du travail qui est responsable du fait que depuis longtemps les conditions de travail s’aggravent de plus en plus.

La solidarité la plus grande c’est de porter cette force des grévistes à d’autres lieux de travail et de chercher des liens avec de divers situations précaires. C’est ce qu’ont fait quelques personnes et groupes révolutionnaires en Suisse alémanique en informant les passants sur la grève avec des actions devant d’autres hôpitaux ou avec un événement à Zurich. Ils peuvent le faire parce qu’ils n’ont pas peur de fâcher leurs partenaires « sociaux » et les négociateurs entre les gestionnaires et dans la politique. Nous aussi, nous pensons que les entreprises et la politique actuelle a des intérêts qui ne sont pas compatibles avec nos besoins. Le partenariat social n’est qu’une forme caché de la lutte de classe d’en haut contre le bas et il nous empêche de lutter efficacement contre les durcissements constants. Nous pouvons imposer nos besoins et nos valeurs dans le secteur de la santé contre les intérêts des capitalistes seulement si nous luttons et ne croyons pas naïvement à des liens et des partenariats entre le haut et le bas.

La grève à La Providence est politique parce qu’elle est la bonne réponse combattive à la question que se posent les employéEs dans les entreprises et régions les plus divers: « Comment finir la détérioration de nos conditions de travail? » Et à l’avenir on ne peut répondre avec cohérence à cette question qu’en dépassant la logique capitaliste et en ayant le courage de lutter pour un avenir social solidaire qui s’oriente aux facultés et besoins de toutes et de tous. Nous, on appelle cela communisme.

 

Halte à la privatisation de la santé par Genolier!
Solidarité avec les grévistes!