»Dieser Krieg muss so schnell wie möglich beendet werden«
Iran: Über die Angriffe der USA und Israels, Irrwege in der kurdischen Opposition und die Strategie von Kommunisten in Kurdistan. Ein Gespräch mit Ibrahim Alizadeh.
Ibrahim Alizadeh (geb. 1950 in Mahabad) ist erster Sekretär von Komala – Kurdistan Organisation der Kommunistischen Partei des Iran
Heute treten verschiedene kurdische Organisationen aus dem Iran unter dem Namen Komala auf. Können Sie kurz etwas über die Geschichte sagen?
Komala wurde 1968 als kommunistische Organisation gegründet und war fast ein Jahrzehnt lang im Untergrund gegen das Schah-Regime aktiv. Nach dem Sturz der Monarchie im Jahr 1979 trat Komala offen auf und wurde schnell zu einer der einflussreichsten und in der Bevölkerung verankerten Kräfte innerhalb der Widerstandsbewegung in Kurdistan. Gleichzeitig entstanden auch die Peschmerga-Einheiten von Komala.
Im Laufe der Jahre kam es in den Reihen von Komala zu mehreren Spaltungen. Heute sind in Kurdistan und im Ausland verschiedene Gruppen unter diesem Namen aktiv. Zwei dieser Strömungen verstehen sich inzwischen nicht mehr als sozialistisch. Sie haben sich von der politischen Linie entfernt, auf deren Grundlage Komala 1968 gegründet wurde, und sind im wesentlichen auf einen nationalistischen Kurs eingeschwenkt. Die »Komala – Kurdistan-Organisation der kommunistischen Partei des Iran« kämpft weiterhin für die Verwirklichung einer sozialistischen Gesellschaft.
Seit rund einem Monat befinden sich die USA und Israel im Krieg mit dem Iran. Wie bewerten sie die geopolitischen Interessen der jeweiligen Kräfte?
Aus unserer Sicht hat dieser Krieg nichts mit den Interessen der Menschen im Iran zu tun. Die Islamische Republik kämpft um ihr Überleben, und die USA kämpfen für die Festigung ihrer politischen Vorherrschaft im Nahen Osten sowie für die Stabilisierung ihrer globalen Position. So wie Khomeini den Iran-Irak-Krieg als »Segen« bezeichnete, betrachten auch die heutigen Führer der Islamischen Republik den Krieg als Mittel, um die öffentliche Aufmerksamkeit umzulenken und die Repression im Inneren zu verschärfen.
Auch die Reaktion der Gesellschaft ist widersprüchlich und komplex. Ein Teil der Bevölkerung ist nach 47 Jahren Unterdrückung, Armut und politischer Erstickung so erschöpft von diesem Regime, dass er selbst die Zerstörung durch den Krieg dem Fortbestand dieses Zustands vorziehen würde. Gleichzeitig ist unter den aktuellen Bedingungen – Bombardierungen, Unsicherheit, Instabilität – für viele Familien die wichtigste Frage nicht der Protest, sondern das nackte Überleben.
Zugleich sind wir der Auffassung, dass eine militärische Lösung allein das politische Schicksal des Iran nicht bestimmen kann. Die Angriffe der USA und Israels mögen militärisch wirksam sein, aber sie führen nicht zu einem politisch wünschenswerten Ergebnis. Keine Bombardierung allein stürzt eine Regierung, sie kann im Gegenteil sogar dazu führen, dass noch extremere Kräfte an die Macht kommen.
Unsere Haltung ist klar: Dieser Krieg ist ein Krieg gegen die Bevölkerung und muss so schnell wie möglich beendet werden. Am Ende werden nicht Raketen, sondern die Menschen im Iran über das Schicksal der Islamischen Republik entscheiden. Eine wirkliche Alternative muss aus dem Kampf der Menschen selbst hervorgehen und nicht aus einer ausländischen Intervention.
Eine Woche vor Kriegsbeginn schlossen sich fünf – inzwischen sind es sechs – Parteien zur Allianz der politischen Kräfte von Iranisch-Kurdistan zusammen. Darunter sind die traditionelle Demokratische Partei Kurdistans – Iran, die an den Ideen von Abdullah Öcalan orientierte PJAK und zwei Komala-Fraktionen. Warum ist Ihre Organisation dem Bündnis ferngeblieben?
Der Grund, warum wir dieser Allianz nicht beigetreten sind, liegt in grundlegenden Differenzen auf der Ebene der politischen Strategie. Erstens denkt diese Allianz in der Übergangsphase vor allem an eine von oben durchgeführte Aufteilung der Macht zwischen den Parteien. Wir hingegen sind der Auffassung, dass in jeder Situation eines Machtvakuums oder eines Rückzugs des Zentralregimes aus Kurdistan die Verwaltung der Angelegenheiten unverzüglich an die von der Bevölkerung gewählten Institutionen übergehen muss – an Institutionen also, die im Verlauf des Kampfes und im Verlauf revolutionärer Entwicklungen entstehen.
Wir sind zweitens der Meinung, dass bewaffnete politische Parteien ihre Waffen an die von den Menschen gewählten Organe übergeben müssen. Wenn das Gewalt- und Waffenmonopol dem Staat entzogen wird, dürfen diese Waffen nicht in den Händen von Parteien bleiben, sondern müssen den Volksorganen unterstellt werden, die demokratisch legitimiert und rechenschaftspflichtig sind. Die anderen sprechen dagegen von der Bildung einer gemeinsamen Streitkraft der Parteien.
Wir sind drittens davon überzeugt, dass ohne den Sturz der Islamischen Republik jede Errungenschaft in Kurdistan nur von vorübergehender Natur wäre. Deshalb muss der Kampf in Kurdistan mit einer landesweiten Perspektive geführt werden und sich auf linke, säkulare, arbeiterorientierte und freiheitliche Kräfte im gesamten Iran stützen. Bei einigen Kräften innerhalb dieser Allianz gab oder gibt es jedoch Tendenzen zur Zusammenarbeit mit rechten Strömungen, wie den Monarchisten oder den Volksmudschaheddin.
Die Allianz spricht viertens von einem »gemeinsamen Diplomatiekomitee«, ohne klar zu benennen, welche politische Linie dieses verfolgen soll. Diese Unklarheit öffnet in der Praxis den Weg für eine Annäherung an die Vereinigten Staaten und sogar an den Staat Israel. Aus unserer Sicht bedeutet der Anschluss an solche Achsen nichts anderes als eine Wiederholung der Niederlagen und Sackgassen der Vergangenheit.
Fünftens haben sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt – ermutigt durch Trump – darauf vorbereitet, Kräfte aus der Kurdistan-Region des Irak zu entsenden, und zwar unter dem Schutzschirm der USA und Israels. Wir halten diese Politik sowohl politisch für falsch als auch militärisch und praktisch für abenteuerlich und zum Scheitern verurteilt.
Welchen Stellenwert hat Ihrer Ansicht nach in einem Land wie Iran die Geschwisterlichkeit der Völker?
Wir betrachten Iran als einen Vielvölkerstaat und sind der Auffassung, dass alle Völker, die im Iran leben, das Recht auf Selbstbestimmung haben müssen. Dieses Recht ist für uns ein grundlegendes demokratisches Prinzip. Gleichzeitig ist die Realität, dass es im Iran lediglich in Kurdistan eine starke Bewegung mit breiter gesellschaftlicher Verankerung gibt. In anderen Regionen gibt es zwar Parteien und Gruppen mit nationalen Forderungen, doch nicht alle vertreten notwendigerweise eine tief verwurzelte, breite und gesellschaftlich verankerte Bewegung.
Und welchen Stellenwert hat die Arbeit der kommunistischen Komala innerhalb der Frauenbewegung im Iran?
Unsere Strategie der Frauenemanzipation beruht auf mehreren Grundprinzipien. Erstens ist die Befreiung der Frauen von patriarchalen Zwängen und religiösen Gesetzen nicht vom Kampf der Arbeiterklasse um ihre Befreiung von kapitalistischer Ausbeutung zu trennen. Für arbeitende Frauen und Männer ist die Befreiung der Frauen von Unterdrückung und Entrechtung Teil des Weges zur Befreiung der gesamten Gesellschaft.
Der Kampf für die Gleichstellung von Frauen und Männern ist zweitens nicht nur eine Angelegenheit der Frauen, sondern eine Angelegenheit aller Menschen, die für Freiheit, Gleichheit und die Überwindung von Unterdrückung und Ausbeutung eintreten.
Die Durchsetzung der Forderungen der Frauen hängt drittens davon ab, dass diese Bewegung einen Massencharakter annimmt. Dafür ist es notwendig, dass Arbeiterinnen und arbeitende Frauen in millionenfacher Zahl aktiv in den Kampf eintreten. Aus diesem Grund legen wir besonderen Wert auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen, auf soziale und materielle Forderungen.
Viertens stößt die Frauenbewegung bereits in ihrem ersten Schritt auf die Mauer der Repression der Islamischen Republik. Deshalb sind die Zusammenarbeit und ein gemeinsames Handeln mit anderen demokratischen Bewegungen unerlässlich. Zugleich ist eine politische Abgrenzung gegenüber liberalen Strömungen notwendig, die die Frauenbewegung lediglich als Sprungbrett zur Macht benutzen wollen.
Fünftens müssen Frauen neben ihrer Beteiligung an allgemeinen politischen, sozialen und klassenbezogenen Organisationen auch ihre eigenen unabhängigen, radikalen und fortschrittlichen Strukturen ausbauen, damit die Frauenbefreiungsbewegung noch breiter und gesellschaftlich wirksamer wird.
Verfolgt Ihre Partei eine Strategie des revolutionären Volkskriegs?
Unsere Strategie in Kurdistan zielt auf einen revolutionären Umbruch, dessen treibende Kraft die Arbeiterklasse und Werktätigen sind. Nach unserer Einschätzung haben die objektiven Bedingungen in der kurdischen Gesellschaft – darunter die massiven Klassenunterschiede, die nationale Unterdrückung, die Repression durch den Zentralstaat, der Entzug selbst elementarster Freiheiten sowie die jahrzehntelange Tradition des Widerstands und des Kampfes – die Voraussetzungen für einen revolutionären Aufbruch geschaffen.
Komala bemüht sich, in allen Bereichen dieses Kampfes präsent zu sein, seine radikale und sozialistische Orientierung zu stärken und zum Erfolg zu führen. Zu den wichtigsten Elementen unserer gegenwärtigen Strategie gehören die Organisierung von Protestbewegungen, der Aufbau und die Ausweitung von Massenorganisationen – insbesondere von Arbeiterorganisationen –, die Erweiterung der Möglichkeiten offener politischer Arbeit, die Aufrechterhaltung der eigenen Verteidigungsfähigkeit, die Auseinandersetzung mit liberalen und nationalistischen Tendenzen sowie die Stärkung der Rolle von Komala im Kampf gegen die nationale Unterdrückung.
Wir sind der Auffassung, dass mit der Zerschlagung des Repressionsapparats des Zentralstaates die Möglichkeit entsteht, in Kurdistan eine auf Räten beruhende Herrschaft des Volkes aufzubauen. Unter solchen Bedingungen versucht Komala, ihr politisches Programm für die Volksherrschaft in Kurdistan dem allgemeinen Rat der Vertreterinnen und Vertreter der Bevölkerung Kurdistans zur Verabschiedung vorzulegen und auf seine sofortige Umsetzung hinzuwirken.
Stimmen zum Iran Krieg: “Für viele Familien ist die wichtigste Frage nicht der Protest, sondern das nackte Überleben.” Interview mit der Komala
Quelle: https://gegenwind.news/2026/stimmen-zum-iran-komala-interview/

Die Komala – Kurdistan Organisation der Kommunistischen Partei Irans – ist eine von drei Parteien aus Rojhilat (Kurdistan im Iran) die sich heute Komala nennen. Auf kurdisch heißt Komala lediglich “Organisation”. Im politischen Sprachgebrauch in Kurdistan ist sie aber mit einer klaren Assoziation verbunden: “Komala, die revolutionäre Organisation der Werktätigen Kurdistan-Irans”.
1968 gegründet von Foad Mostafa Soltani, war sie eine maoistische Partei mit tiefer Verwurzelung in der kurdischen Gesellschaft im Iran. Noch heute erinnern sich viele Menschen an die Erfahrung der Selbstorganisierung und der Rätemacht in den Tagen nach der Revolution 1979, an den historischen Protestmarsch von Mariwan, die Fatwa von Ayatollah Khomeini, der zum Jihad gegen Kurdistan und den Kampf aufrief, und den Kampf, den die Komala gegen die islamische Republik und gegen die kurdischen Großgrundbesitzer gleichermaßen führte.
In den 1980er Jahren, mit der gewaltigen Repressionswelle der islamischen Republik gegen die revolutionäre Linke und den kommunistischen Organisationen, wurde Kurdistan, vor allem derjenige Teil der von der Komala dominiert wurde, zum Rückzugsort vieler kommunistischer Organisation.
1983 Gründete sich aus dem Zusammenschluss der Komala, Fraktionen der Peykar und der Union kämpfender Kommunisten die Kommunistische Partei Irans (KPI). Die Komala wurde fortan zur Kurdistan-Organisation der Kommunistischen Partei Irans. Als einzige der drei Organisationen, die sich auf diesen Namen beziehen, ist sie kommunistisch geblieben und kämpft heute noch für die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft. Barbara Dersim hatte die Möglichkeit ihren Generalsekräter im kurdischen Autonomiegebiet im Irak zur aktuellen Lage im Iran zu interviewen.
Das Interview erscheint in zwei Teilen. Den ersten Teil des Interviews könnt ihr bei der Jungen Welt unter: https://www.jungewelt.de/artikel/520189.krieg-im-iran-dieser-krieg-muss-so-schnell-wie-möglich-beendet-werden.html lesen. Der zweite Teil des Interviews hier:
Wie bewertet ihr die gegenwärtige geopolitische Lage, und welche Ziele verfolgt dieser Krieg?
Aus unserer Sicht hat dieser Krieg nichts mit den Interessen der Menschen im Iran zu tun. Die Islamische Republik kämpft um ihr Überleben, und die USA kämpfen für die Festigung ihrer politischen Vorherrschaft im Nahen Osten sowie für die Stabilisierung ihrer globalen Position. So wie Khomeini den Iran-Irak-Krieg als „Segen“ bezeichnete, betrachten auch die heutigen Führer der Islamischen Republik den Krieg als Mittel, um die öffentliche Aufmerksamkeit umzulenken und die Repression im Inneren zu verschärfen.
Auch die Reaktion der Gesellschaft ist widersprüchlich und komplex. Ein Teil der Bevölkerung ist nach 47 Jahren Unterdrückung, Armut und politischer Erstickung so erschöpft von diesem Regime, dass er selbst die Zerstörung durch den Krieg dem Fortbestand dieses Zustands vorziehen würde. Gleichzeitig ist unter den aktuellen Bedingungen – Bombardierungen, Unsicherheit, Instabilität -, für viele Familien die wichtigste Frage nicht der Protest, sondern das nackte Überleben.
Zugleich sind wir der Auffassung, dass eine militärische Lösung allein das politische Schicksal des Iran nicht bestimmen kann. Die Angriffe der USA und Israels mögen militärisch wirksam sein, aber sie führen nicht zu einem politisch wünschenswerten Ergebnis. Keine Bombardierung allein stürzt eine Regierung, sie kann im Gegenteil sogar dazu führen, dass noch extremere Kräfte an die Macht kommen.
Unsere Haltung ist klar: Dieser Krieg ist ein Krieg gegen die Bevölkerung und muss so schnell wie möglich beendet werden. Am Ende werden nicht Raketen, sondern die Menschen im Iran über das Schicksal der Islamischen Republik entscheiden. Eine wirkliche Alternative muss aus dem Kampf der Menschen selbst hervorgehen und nicht aus einer ausländischer Intervention.
Welche Perspektive seht ihr für die Bildung und Ausweitung von Komitees und Volksorganen von unten innerhalb Irans?
In Kurdistan sind die Voraussetzungen für ihre Entstehung sehr ernsthaft gegeben. Die Zivilgesellschaft hat sich entwickelt, die Menschen verfügen über wichtige Erfahrungen der Selbstorganisation, und das Maß an sozialer Solidarität ist hoch. Soziale Netzwerke, die Erfahrung mit Organisierung, die Tradition gegenseitiger Hilfe und das Vertrauen in kollektives Handeln sind Potenziale, die in Krisensituationen sehr schnell zur Bildung solcher Volksorgane beitragen und die menschlichen und gesellschaftlichen Kosten verringern können.
In einer Situation des Machtvakuums oder dann, wenn mehrere Machtzentren entstehen, werden die Menschen gezwungen sein, die Regelung ihres Alltags unmittelbar selbst in die Hand zu nehmen. Das lässt sich nicht durch Veränderungen von oben erreichen, sondern nur durch den Aufbau realer Volksorgane von unten: Stadtteilräte für Alltagsfragen, Sicherheit und Versorgung; Arbeiterräte in Fabriken und Werkstätten zur Verteidigung von Produktion und Lebensunterhalt; Lehrervereinigungen für Bildung und Kinderrechte; studentische Räte zur Organisierung der Universitäten und ihrer Verbindung zur Gesellschaft; sowie Räte oder Zusammenschlüsse von Händlerinnen und Händlern, um die lokale Wirtschaft zu ordnen und die Versorgung mit Waren sicherzustellen.
Der nächste Schritt besteht darin, diese Organe auf städtischer und regionaler Ebene miteinander zu verbinden, sie zu koordinieren und in Richtung weiterentwickelter Formen demokratischer Volksherrschaft auszubauen.
Politische Parteien können in diesem Prozess eine Rolle spielen, aber nicht, indem sie an die Stelle der Menschen treten. Die Rolle jeder Partei muss auf dem Weg der Überzeugungsarbeit, der Organisierung, der Vorlage eines politischen Programms und des Gewinnens des Vertrauens der Mehrheit ausgeübt werden. Die endgültige Entscheidung muss bei den von den Menschen gewählten Institutionen liegen.
Auch in Bezug auf die Waffen ist unser Leitprinzip eindeutig: Waffen dürfen nicht in den Händen nicht-gewählter und nicht-rechenschaftspflichtiger Kräfte bleiben. Sie müssen der Kontrolle der von der Bevölkerung gewählten Institutionen unterstellt werden. Auch bewaffnete Parteien sollten ihre Waffen freiwillig an sie übergeben, damit Sicherheit nicht mehr auf gruppenbezogener Macht, sondern auf kollektiver und demokratischer Kontrolle beruht.
Die Menschen in Kurdistan haben 1979, gleichzeitig mit dem Sturz des Schah-Regimes, in vielen Städten und Dörfern ganz konkrete Erfahrungen mit dem Aufbau solcher Organe gemacht. In Städten wie Sanandadsch wurden diese sogar zum Zentrum des Widerstands gegen die Angriffe der Islamischen Republik. Diese historische Erfahrung lebt im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft bis heute weiter und kann für die Zukunft ein entscheidendes Kapital sein.
Einige Strömungen in Europa, die sich selbst als „antiimperialistisch“ bezeichnen, unterstützen die Islamische Republik. Was ist eure Meinung dazu?
Aus unserer Sicht lässt sich der Kampf gegen den Imperialismus nicht vom Kampf gegen den Kapitalismus, gegen Despotismus und Repression sowie von der Verteidigung von Freiheit und Menschenrechten trennen. Die Unterstützung der Islamischen Republik im Namen des „Antiimperialismus“ ist eine offenkundige politische Fehlentwicklung und hat keinerlei Verbindung zum Kommunismus oder zum proletarischen Internationalismus.
Man kann nicht im Namen des Widerstands gegen die USA ein Regime verteidigen, das arbeiterfeindlich, frauenfeindlich, repressiv und ein Gegner der elementarsten Freiheiten der Menschen ist. Eine solche Haltung steht weder im Dienst der Arbeiterklasse, noch im Dienst der menschlichen Befreiung.
Wie können Revolutionärinnen und Revolutionäre, sowie Kommunistinnen und Kommunisten in Europa die Kämpfe der Menschen im Iran und in Kurdistan unterstützen?
Die wichtigste Form der Unterstützung ist die politische Unterstützung. Unter Bedingungen, in denen ein großer Teil der Medien von Machtzentren beherrscht wird, finden die Stimmen linker und radikaler Kräfte nur wenig Gehör. Die Aufgabe der Kommunistinnen und Kommunisten sowie der revolutionären Kräfte in Europa besteht darin, nicht zuzulassen, dass die Situation im Iran und in Kurdistan ausschließlich aus der Perspektive der rechten Opposition dargestellt wird.
Eine enge Zusammenarbeit mit linken Exilkräften aus dem Iran und aus Kurdistan in Europa ist, sowohl im medialen als auch im politischen Bereich, äußerst wichtig und wirkungsvoll. Die Stimme der arbeiterorientierten, egalitären, sozialistischen und freiheitlichen Kräfte zu stärken, ist heute die wichtigste Aufgabe internationaler Solidarität.