In Winterthur streikten die Fahrer_innen der Stadtbusse. Wenn Angestellte kämpferisch für Verbesserungen einstehen, unterstützen wir solidarisch. Ein Erfahrungsbericht.
«Wer fahrt Winti? Mier vom Stadtbus!» Mit einem kämpferischen, kollektiven Moment beendeten die Busfahrer_innen in Winterthur am 3.3.26 ihren vierstündigen Warnstreik. Sie haben ein entschlossenes Zeichen an den Stadtrat gesendet und die Verantwortlichen davor gewarnt, sie hinhalten oder täuschen zu wollen. Sollten ihre Forderungen nicht innerhalb einer Woche angenommen werden, wollen sie ein zweites Mal streiken – dann einen ganzen Tag lang.
Angefangen hat der Tag mit einem Alarm um Mitternacht. Die Direktion der Stadtbusse versuchte mit eigens aufgebotenen Streikbrecher_innen möglichst viele Busse aus dem zentralen Depot auszufahren, in der Stadt abzustellen und so eine Blockade zu verhindern. Die Mitten in der Nacht herbeigeeilten Fahrer_innen, Gewerkschaftsmitglieder und solidarischen Unterstützer_innen konnten das weitgehend unterbinden und das Depot schon um 1 Uhr blockieren. Auch Busse der vorbeifahrenden Linie konnten gestoppt werden – einige der Fahrer_innen schlossen sich daraufhin den Streikenden an.
So konnte nur etwa ein Drittel des öffentlichen Verkehrs aufrechterhalten werden. Das entspricht ziemlich genau auch dem Organisierungsgrad der Fahrer_innen. Etwa zwei Drittel von ihnen sind Gewerkschaftsmitglieder – es dürften heute noch einige dazugekommen sein. Eine beeindruckende Organisierung und ein erfolgreicher Warnstreik.
«Zuelage, Zuelage!» schallte es Stadtrat Fritschi entgegen, bevor er unter Buhrufen von den Fahrer_innen verjagt wurde. Und das aus gutem Grund. Trotz der jahrelangen Taktik aus Ignorieren und Hinhalten, trotz eines klaren Ultimatums, das er erneut verstreichen liess, und trotz seinen Einschüchterungsversuchen, erdreistete er sich ins Depot zu fahren, um ohne Angebote etwas «reden» zu wollen. Auch nachdem er sich ins Innere des Stadtbusgebäudes zurückzog, kostete es ihn noch einmal Stunden, bis er den Streikenden nur schon ein Gesprächsangebot zugestand. Später war er es, der in den Medien «Respektlosigkeiten» bejammerte und dafür natürlich Agitator_innen von aussen verantwortlich machte. Welch ein lächerlicher Versuch die Streikenden und solidarischen Menschen zu spalten! Es ist eine Beleidigung für die Entschlossenheit der Fahrer_innen, die die Situation zu jeder Zeit in den eigenen Händen hielten und mit viel Mut und Herz vorgingen.
Auch die Solidarität war vom ersten Moment an gross. Die Streikenden haben das wahrgenommen und sich über die Unterstützung sehr gefreut. Sie haben etliche Solidaritätsbekundungen erhalten. Auch Gewerkschafter_innen aus anderen Verkehrsbetrieben aus Zürich und Bern nahmen solidarisch vor Ort Teil und werden das Selbstbewusstsein und die Erfahrungen in ihre Belegschaften zurücktragen. Sie haben ähnliche Probleme. Forderungen wie Abschaffung von ultraspontanen «ED»-Diensten, der Änderung der Dienstplanung, einer dem städtischen Personalrecht entsprechenden Entschädigung für Abenddienste und dem Abschaffen von Haftungsklauseln sind darum bis zu einem gewissen Mass verallgemeinerbar.
Die Fahrer_innen haben sich entschlossen und durchsetzungsfähig gezeigt. Damit haben sie aus ihrer Ausgangslage das Maximum herausgeholt. Sie haben den Streik einstimmig beschlossen, sie waren auf taktische Manöver der Gegenseite vorbereitet und sie wissen die Einwohner_innen von Winterthur hinter sich. Die Rückmeldungen an den Haltestellen waren überwiegend positiv. Die Winterthurer_innen schätzen ihren Nahverkehr, unterstützen die Forderungen und «ihre» Fahrer_innen.
Wir wünschen viel Erfolg und werden weiterhin an der Seite der Fahrer_innen stehen!
Jetzt heissts: Solidarisch zemestah und de Fritschi abelah!





